Vier Monate nach dem katastrophalen Flutereignis vom Juli 2021 hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im November 2021 einen neuen Förderaufruf im Förderprogramm Region gestalten gestartet. Das Förderprojekt „Resiliente Regionen“ unterstützt 10 Modellvorhaben im Bundesgebiet dabei, die Resilienz gegenüber bekannten und unbekannten Krisen in der Zukunft zu steigern und so deutschlandweit gleichwertige Lebensverhältnisse zu fördern.
Die Flutkatastrophe in 2021 hat deutlich gezeigt, wie weitreichend die Kaskadeneffekte sind, wenn Straßen nicht mehr befahrbar sind, wenn die Stromversorgung tagelang ausfällt und Kommunikation während und nach einer Krise nicht mehr möglich ist. Reaktionskapazitäten können nur unzureichend abgerufen werden, die Handlungsfähigkeit und die Widerstandsfähigkeit der Region sind geschwächt, aber auch die Funktionsfähigkeit der Daseinsvorsorge außerhalb der direkt betroffenen Gebiete ist eingeschränkt. Nicht allein die Gefahr vor erneuten Starkregenereignissen, sondern die Ungewissheit über potentielle äußere Einflüsse, zeigen die Notwendigkeit und den Handlungsbedarf im Umgang mit kritischen Infrastrukturen auf. „In einer ersten Rückschau mussten wir uns eingestehen, dass es bei den kritischen Infrastrukturen doch großes Potential zur Verbesserung gibt.“ Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass der Kreis Euskirchen sich mit dem Vorhaben „KRITIS-Dialog – Schutz kritischer Infrastrukturen durch Resilienzgovernance“ auf den Förderaufruf beworben hat. Nach durchlaufen des 2-stufigen Auswahlprozesses hat der Kreis am 06.12.2022 den finalen Förderbescheid über 692.486,71 € erhalten.
Ziel des Vorhabens ist die Schaffung eines stetigen Risikodialogs auf Basis einer KRITIS-Analyse. Zur Erreichung dieses Ziels hat der Kreis als Projektinitiator ein großes und vielfältiges Konsortium zusammenstellen können. Die Risikoanalyse wird durch den Verbundpartner, das Institut für Raumplanung der Technischen Universität Dortmund, durchgeführt. Der Kreis Euskirchen und die TU Dortmund haben bereits in der Vergangenheit einige Projekte erfolgreich gemeinsam bearbeitet. Für die Risikoanalyse wurde ein Untersuchungsraum definiert, bei dem aus der bekannten Einheit des Aufgabenwahrnehmungsraums (Kreisgebiet) der „Problemraum“ wurde. Da Straßen nicht an der Bundeslandgrenze, Stromleitungen und Kommunikationstechnik nicht an der Kreisgrenze enden, sollen Problemraum und Aufgabenwahrnehmungsraum mit einem interregionalen Risikodialog übereingebracht werden. Dieser bringt Beteiligte aus verschiedenen Verwaltungen, öffentlichen und privaten Leistungserbringern sowie der allgemeinen Bevölkerung in einer Resilienzgovernance zusammen. So setzt sich der Untersuchungsraum aus dem Kreis Euskirchen dem Kreis Düren, dem Rhein-Erft-Kreis und der Städteregion Aachen zusammen. Neben den administrativen Einheiten konnten auch Partner aus Wirtschaft und Verwaltung gewonnen werden: das Konsortium besteht aus den oben genannten Einheiten sowie der Telekom, Westnetz, e-regio, bn:t, Straßen.NRW, der Region Aachen und dem Kreis Ahrweiler. Zusätzlich sind wichtige und strategische Partner wie die Regionalplanung in Form der Bezirksregierung Köln und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe beteiligt, welche mit ihren Erfahrungen beratend zur Seite stehen und das Modellvorhaben unterstützen.
Die Laufzeit des Projekts ist bis zum 30.09.2025 festgesetzt. Der Risikodialog soll über das Ende des Projekts hinaus weiterbestehen und der Region helfen die kommenden Krisen besser zu bewältigen. Die Fördergelder werden unter anderem genutzt, um ein gemeinsam zu erreichendes Leitbild für die Resilienz der Region zu entwickeln, zu verfolgen und umzusetzen. Das Modellvorhaben soll neue Handlungsansätze für die Praxis hervorbringen, welche auf andere ländliche Regionen in Deutschland übertragbar sind und so die Lebensverhältnisse insgesamt verbessern.